Archiv für April 2017

Die Neue Rechte und der Kampf um Ideen

mit Samuel Salzborn

16.05.2017 | 18 Uhr, Uni Bielefeld Hörsaal 2

Die Neue Rechte ist auf dem Vormarsch. In Deutschland versuchen sie über Organisationen wie dem Institut für Staatspolitik und Zeitschriften wie der Blauen Narzisse, aber auch über AfD und Pegida ihre rechtsextremen Positionen zu lancieren und gesellschaftliche Debatten mitzubestimmen – mit zunehmendem Erfolg.
Aber wer und was genau ist eigentlich die Neue Rechte? Was ist neu an ihr, was zeichnet ihre Ideologie aus und welche Strategien nutzt sie im Kampf um Deutungshoheit und politische wie gesellschaftliche Macht?
Um diese Fragen zu beantworten, führt der Vortrag in die Debatte um den Begriff Neue Rechte ein. Er zeichnet die Entwicklungsgeschichte der Neuen Rechten in Deutschland nach und arbeitet ihre zentralen Positionen, Ziele und ideengeschichtlichen Grundlagen heraus. Abschließend wirft er einen Ausblick auf die weitere Entwicklung der Neuen Rechten und diskutiert die Frage, ob es ihr tatsächlich gelingen kann, einen stärkeren Einfluss auf gesellschaftliche Diskurse zu nehmen.

Prof. Dr. Samuel Salzborn ist Professor für Grundlagen der Sozialwissenschaften am Institut für Politikwissenschaft der Uni Göttingen. Seine Forschungsschwerpunkte sind Politische Theorie und Gesellschaftstheorie sowie Politische Soziologie und Demokratieforschung.
Aktuelle Publikationen zum Thema sind unter anderem: Angriff der Antidemokraten. Im Erscheinen; Kampf der Ideen. Die Geschichte politischer Theorien im Kontext. 2. Aufl., Baden-Baden 2017; Rechtsextremismus. Erscheinungsformen und Erklärungsansätze. 2. Aufl., Baden-Baden 2015.

Die postmoderne Querfront – Zur Kritik des Linkspopulismus am Beispiel seiner VordenkerInnen Chantal Mouffe und Ernesto Laclau

mit Ingo Elbe

04.05.2017 | 18 Uhr, Uni Bielefeld Raum T2-227

Chantal Mouffes Begriff des Politischen und ihre zusammen mit Ernesto Laclau erarbeitete ‚postmarxistische‘ Theorie des Populismus sind in aller Munde. Linkspopulistische Bewegungen wie Syriza oder Podemos betrachten Laclau und Mouffe gar als VordenkerInnen. Der Vortrag stellt ihren in weiten Teilen der Linken akzeptierten Erklärungsansatz für den Aufstieg des Rechtspopulismus und ihre linkspopulistische Gegenstrategie dar. Es wird gezeigt, dass sowohl die politikwissenschaftliche Diagnose als auch die Strategievorschläge von einer irrationalistischen Gesellschaftstheorie abhängig sind, die Laclau/Mouffe weitgehend den Abhandlungen des faschistischen Rechtsphilosophen Carl Schmitt entnehmen. Unter anderem mit Rekurs auf Laclau/Mouffe bildet sich derzeit weltweit auf akademischer und politischer Ebene eine ideologische Querfront, eine „productive convergence of the far Right and the far Left“, wie es eine amerikanische Philosophin mit begeisterter Zustimmung ausdrückt. Akteure, Elemente und Argumentationsstrategien dieser Querfront werden im Vortrag kritisch diskutiert.

Dr. Ingo Elbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Privatdozent an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. Letzte Publikationen: Paradigmen anonymer Herrschaft. Politische Philosophie von Hobbes bis Arendt. Würzburg 2015; „Trabalho alienado e abstrato. Níveis de significação e déficits de fundamentação do conceito de trabalho alienado nos Manuscritos econômicos-filosóficos de Marx”. Introdução a Karl Marx, Manuscritos econômico-filosóficos 1844. Sao Paulo 2016; „Politische Macht, Faschismus und Ideologie. Ernesto Laclaus Auseinandersetzung mit Nicos Poulantzas“. In: A. Hetzel (Hg.): Radikale Demokratie. Zum Staatsverständnis von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau. Baden-Baden 2017.