Harry Potter und die widersprüchliche Ideologie der Kulturindustrie

mit Melanie Babenhauserheide

06.02.2017 | 20 Uhr, Extra Blues Bar (Siekerstr. 20, 33602 Bielefeld)

„harry potter saved me from a dark and lonely road with depression rideing on my back“ (Mid Rift).
„For almost all of my life, I‘ve never felt like I belonged. I‘ve gone through life feeling like I was too strange and awkward for anyone to like me. I still feel like that. But whenever I pick up the books, watch the movies, watch the musicals, read the fanfiction, or listen to the songs, I‘m home. So thank you J.K. Rowling for giving me true friends, adventures, advice, and most of all, a home.“ (Raven w). „Harry Potter is my childhood. Whenever I was upset or sad I‘d always read one of the books“ (Abby Grant.) „No other series can compare to Harry Potter and the amount of people that the series has touched and inspired. Thank you JK Rowling for making our lives better and more beautiful with Harry Potter!“ (Courtney Hull) „I grew up watching and reading about Harry Potter, whenever I was alone he was always there. […] They make me feel like I can escape to a world where I don‘t have to be afraid to be me“ (XxdreamchaserxX). „Harry Potter, the series that […] made social outcast like me find a place“ (Alisa Hanschu). „That’s the beauty of Harry potter, you are not alone in how you feel, others feel the same kind of magic, have been on the same adventures, it’s much more than a story, a book to us. It’s a part of our past/present and who we are“ (The Sinnoh Firefly). „Harry Potter lives on in all of us!“ (Purple Tube)
(Kommentare auf youtube zu Oliver Boyd and the Remembralls: End of an Era)

Kulturindustrie, die warenförmige Organisation von Freizeit und Erfahrung, dient der Funktion, die Wünsche und Sehnsüchte der Einzelnen auf der einen Seite und auf der anderen Seite die verfestigten, ihnen entzogenen gesellschaftlichen Verhältnisse miteinander zu verkitten, indem sie uns Bestätigungen von Herrschaftsverhältnissen anbietet, die diesen Wünschen entgegenkommen. Z.B. dadurch, dass sie uns Identifikationsmöglichkeiten bieten, uns aufwerten, uns das Gefühl geben, dazugehören, in dieser Welt zuhause zu sein, in ihr einen Sinn zu finden, eine „zweite Welt“ (Pfaller) zu haben, die es uns erleichtert, in der ersten zu leben. Wie schon Adorno in der Analyse der Reaktionen des Publikums auf das mediale Spektakel um eine königliche Hochzeit gezeigt hat, lässt sich allerdings feststellen, dass dieses Verkitten nicht glatt geht. Darin sieht der Kritische Theoretiker eine Chance auf Mündigkeit, auf Emanzipation. Dieser Widersprüchlichkeit der Kulturindustrie, die dazu neigt, das Bewusstsein auf das Bestehende zu vereidigen, und die zugleich ihr „eigenes Gegengift“ enthält, wird in diesem Vortrag nachgegangen anhand der Ideologie der Harry Potter-Romane. Rowlings Reihe ist einer der erfolgreichsten Senkrechtstarter der Kulturindustrie in den letzten 20 Jahren und hat ideologische Deutungsangebote für eine ganze Generation bzw. weit darüber hinaus geliefert.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Roten Montags statt.