Archiv für Juni 2015

Weitere Veranstaltungen

Und wir machen zwei weitere Veranstaltungen in den kommenden Tagen und Wochen!

05.06.2015, 19 Uhr, Uni Bielefeld, Raum D2-136

Zerrspiegel des Ressentiments: Kulturrelativismus im Licht der aktuellen Situation im Mittleren Osten

Mit Andreas Benl

Als im September 2009 tausende iranischer Demonstranten die antisemitischen Hassparolen des Regimes auf dem sogenannten „Al Quds (Jerusalem)-Tag“ in Teheran niederschrien, wurde dieses Ereignis im Westen kaum beachtet oder gar begrüßt. Anscheinend waren nicht nur die Herrscher der Islamischen Republik der Meinung, dass die Protestierenden aus der ihnen von Geschichte und Kultur zugedachten Rolle gefallen waren. Michel Foucault war der erste westliche Denker, der 1978/79 in seinen Reportagen aus dem Iran die „spirituelle Politik“ Khomeinis feierte. Er hatte jedoch in Vordenkern des Islamismus wie Said Qutb, Ali Schariati oder Jalal Al-e Ahmad seine orientalischen Pendants.
Fast vier Jahrzehnte später ist die Islamische Republik im Westen vom Sehnsuchtsort zivilisationsmüder Intellektueller zum umworbenen ökonomischen und politischen Partner aufgestiegen. Im Mittleren Osten, der Region, der der politische Islam als „natürliche“ Lebensform zugeschrieben wurde, suchen die nichtislamistischen Kräfte dagegen verzweifelt nach Gegenstrategien zur zerstörerischen Expansion der Islamischen Republik und ihres feindlichen Zwillings Islamischer Staat. Eine qualifizierte Minderheit stellt angesichts der gemeinsamen Bedrohung Israels und seiner Nachbarn durch die Islamisten sogar den Antizionismus infrage.
In dem Vortrag sollen die historischen Hintergründe und die möglichen Folgen dieser scheinbar paradoxen Situation dargelegt werden.

Andreas Benl ist im Mideast Freedom Forum Berlin aktiv und schreibt unter anderem zum Kulturrelativismus und zur Oppositionsbewegung im Iran.

Die Veranstaltung wird von der Antifa AG und dem AStA der Uni Bielefeld im Rahmen des Schall-und-Wahn-Bündnisses durchgeführt.

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07.07.2015, 18 Uhr, Uni Bielefeld, Raum D2-136>

„das Böse, das von Niemanden begangen wurde“ –
Hannah Arendts „Banalität des Bösen“ – ein geeignetes Konzept zum Verständnis der Täter des Holocaust?

Mit Ingo Elbe

Hannah Arendt geht davon aus, dass „Niemande“ die Gesellschaften des 20. Jahrhunderts bevölkern. Die Motive der Entpersonalisierung und der „Herrschaft des Niemand“ prägen ihre Moderne-Diagnose und dienen ihr zugleich als Schlüssel zum Verständnis der ‚totalitären‘ Verbrechen und der „Banalität des Bösen“, die dort zum Vorschein gekommen sein soll.
Der Vortrag skizziert, welche Bedeutungsebenen das Konzept der Herrschaft des Niemand aufweist, wie es die Überlegungen Arendts vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis hin zu ihrem berühmten Eichmann-Portrait bestimmt und welche Probleme das damit etablierte Bild des modernen Menschen bei der Annäherung an die Massenverbrechen des 20. Jahrhunderts, insbesondere die Shoah, mit sich bringt.

Dr. Ingo Elbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Uni Oldenburg. Er promovierte 2008 zur Neuen Marx-Lektüre in der Bundesrepublik und veröffentlicht zum Thema des Vortrags in Kürze das Buch Paradigmen anonymer Herrschaft. Politische Philosophie von Hobbes bis Arendt, Würzburg 2015. Online-Texte unter: http://www.rote-ruhr-uni.com/.