Archiv für Mai 2015

Veranstaltungen im SoSe 2015

Neuigkeiten!

21.5.2015, 20 Uhr, Mondo Buchladen, Elsa-Brändström-Str.23, 33602 Bielefeld

»Kritische Theorie und Emanzipation.«
Buchvorstellung, Vortrag und Diskussion

Mit Marc Jacobsen, Dirk Lehmann & Florian Röhrbein

Die kritische Theorie, wie sie von Max Horkheimer und anderen in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begründet wurde, ist eine vom Interesse an der Zukunft geleitete Analyse der Gegenwart. Trotz der dunklen Zukunftsperspektive findet sich die kritische Theorie mit dem Bestehenden nicht ab, sondern hält an der Möglichkeit an einer vernünftigen und emanzipierten Gesellschaft fest. Sie begreift sich als die theoretische Seite der Anstrengungen, eine Welt zu schaffen, in der das Leiden und die Gewalt sowohl gegen den Menschen als auch gegen die Natur ein Ende gefunden haben.
Der Band „Kritische Theorie und Emanzipation“, der aus einer Tagung heraus entstand, die im November 2011 an der Universität Bielefeld unter dem Titel „…alles als infam zu empfinden, was das Bestehende ausmacht (Leo Löwenthal)“ stattgefunden hat, versammelt Beiträge, die sich diesem theoretischen Programm verpflichtet fühlen und in der Auseinandersetzung mit ganz verschiedenen Themen nicht nur zeigen, was kritische Theorie ist, sondern auch was diese noch heute zu einer Kritik der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse beitragen kann. In der Buchvorstellung sollen die Grundzüge der kritischen Theorie als spezifische Denkform, die die einzelnen Aufsätze des Bandes eint, vorgestellt und diskutiert werden.

Marc Jacobsen hat in Bielefeld Soziologie studiert. Gegenwärtig arbeitet er im Rahmen seiner Promotion an der Universität Bonn zum Thema Antisemitismus und Weltgesellschaft.
Dirk Lehmann hat in Duisburg und Bielefeld die Soziologie studiert und arbeitet gegenwärtig über die Entstehung und Entwicklung der kritischen Theorie. Er veröffentlicht unregelmäßig in „Kritiknetz – Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft“.
Florian Röhrbein studiert gegenwärtig Soziologie (Master) an der Universität Bielefeld und ist Mitglied in der Gesellschaft für psychoanalytische Sozialpsychologie. Gegenwärtig beschäftigt er sich mit Ideologie- & Subjektkritik und hält Seminare zur Einführung in die Kritik des Antisemitismus.

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26.5.2015, 20Uhr, Mondo Buchladen, Elsa-Brändström-Str.23, 33602 Bielefeld

„…der Riß der Welt geht auch durch mich, gerade durch mich.“
Entfremdung und Verdinglichung von Jean-Jacques Rousseau bis zur Kritischen Theorie.

Mit Dirk Lehmann

Unter Entfremdung kann recht vorläufig ein Zustand verstanden werden, in dem die „natürlichen“ und „organischen“ Beziehungen des Menschen zu sich, zur äußeren Natur und zu seinen Mitmenschen eigentümlich verrückt sind. Allgemein ist Entfremdung so als eine defizitäre Beziehung zu begreifen. Gleichgültigkeit, Instrumentalisierung, Versachlichung, Künstlichkeit, Isolation, Sinnlosigkeit und Ohnmacht können vor diesem Hintergrund als Ausdruckformen dieses Defizits gelten. So verstanden hat Entfremdung zwar einerseits das Zeug dazu, zu einem Schlüsselbegriff der Krisendiagnosen der Moderne zu werden. Bei Lichte besehen lässt sich aber bereits erahnen, dass Entfremdung ein recht schillernder und undeutlicher Begriff ist, dem man, nach einem Urteil Georges Labicas, „nicht trauen sollte“. Ungeachtet des harschen Verdikts wird aber, bei aller begrifflichen Laxheit, irgendwie deutlich, dass Entfremdung eine typisch moderne Stimmungslage einfängt. Entfremdung genießt also nach wie vor und trotz ihres gegenwärtigen Verschwindens aus dem Vokabular der Gesellschafts- und Kulturkritik einiges an Aktualität.
Wie kommt es also dazu, dass Menschen sich selbst etwa nur noch als gleichgültig und ohnmächtig, ihre Beziehungen zu anderen als instrumentell und sinnlos erfahren? Wie lässt sich verstehen, dass diejenigen, die sich selbst vielleicht als „Subjekte“ begreifen, ihrer Subjektivität beraubt sind? Wer sind die „Räuber“? Eine Antwort, die das Handeln der Individuen selbst in Betracht zieht und keine Mutmaßungen über eine Verschwörung der Herrschenden anstellt, scheint dringlich. Ferner die Frage, wie sich dieser Zustand begreifen lässt, ohne auf anthropologische Konstanten zurückzugreifen, Entfremdung also gerade nicht als die schicksalhafte Abkehr von einem eigentlichen und einstmals versöhnten Naturwesen zu verstehen. Schließlich berührt Entfremdung die Frage nach Emanzipation und Freiheit; wie ist ihre Aufhebung denkbar?
Diesen Fragen versucht der Vortrag auf einer von Georg Wilhelm Friedrich Hegel über Karl Marx und Georg Lukács bis hin zur kritischen Theorie reichenden Linie nachzugehen.

Dirk Lehmann hat in Duisburg und Bielefeld Soziologie studiert. Er arbeitet gegenwärtig über die Entstehung und Entwicklung der kritischen Theorie und veröffentlicht unregelmäßig in „Kritiknetz – Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft“