Archiv für Februar 2015

Antifeminismus von Rechts

Eine Podiumsdiskussion mit Juliane Lang & Lucius Teidelbaum

05. März 2015 // 19 Uhr
Murnausaal
VHS Bielefeld
Ravensbergerpark 1

Juliane Lang diskutiert die Frage, wo Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Strategien liegen und inwieweit es der extremen Rechten gelingt, direkt oder indirekt Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse zu nehmen.
Im selbsterklärten „Kampf gegen den Genderismus“ und mit populistischen Forderungen zur Besserstellung „deutscher Familien“ hat die extreme Rechte strömungsübergreifend Themen ausgemacht, von denen sie sich Anschluss an Diskurse im bürgerlichen Mainstream verspricht. Sie bewegt sich hier in einem Fahrwasser mit Familienpopulist*innen und Antifeminist*innen unterschiedlicher politischer Couleur und gesellschaftlicher Hintergründe. Auch wenn eine offene Zusammenarbeit bislang nur punktuell zu beobachten ist, bedienen extreme Rechte und der organisierte Antifeminismus ähnliche Diskurse etwa in den polemischen Angriffen gegen einen omnipotent imaginierten „Feminismus“ und ein spektrenübergreifend konstruiertes Feindbild „Genderismus“.

Einen Überblick über die homo- und transphoben Proteste on- und offline, die daran beteiligten Gruppen und ihre Ideologie gibt Lucius Teidelbaum, der sich mit dieser Szene seit Jahren beschäftigt.
Seit Anfang 2014 fanden in Stuttgart, Köln, Frankfurt, Köln, Augsburg, Hannover, Dresden und Hamburg Demonstrationen statt, die sich u.a. gegen eine geplante Verankerung der „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ in einem Bildungsplan-Entwurf oder gegen eine angebliche „Frühsexualisierung“ von Kindern richten. Die TeilnehmerInnen dieser Aufmärsche waren mehrheitlich nicht Neonazis, sondern kommen aus christlich-fundamentalistischen Kreisen. Dieses rechtsklerikale Milieu mit seiner fundamentalistischen, antimuslimischen, homophoben, aber auch antifeministischen Haltung erfährt in Deutschland kaum kritische Aufmerksamkeit, solange sie nicht auf der Straße sichtbar werden.

Juliane Lang, Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus, arbeitet zu Themen rund um die extreme Rechte und Geschlechterverhältnisse.
Lucius Teidelbaum ist Historiker, freier Publizist und Rechercheur. Von ihm erschienen u.a. im Unrast-Verlag zwei Bücher zu den Themen „Brauzone Bundeswehr. ‚Rechtsum‘ in der Männertruppe“ (2012) und „Obdachlosenhass und Sozialdarwinismus“ (2013).