Archiv für April 2012

Veranstaltung Gedenkstätte Buchenwald – ein Ort der Geschichtsdebatte

+++ Gedenkstättenfahrt +++ Zusätzliche Veranstaltung +++
Freitag, 04.05.2012
18 Uhr
Uni Bielefeld, C2-144
Referent: Dr. Ulrich Schneider

Gedenkstätte Buchenwald
– ein Ort der Geschichtsdebatte

Die Veranstaltung soll sich mit dem geschichtspolitischen Streit um
Buchenwald beschäftigen, der sich seit Jahren auf folgende Fragen
fokussiert:

Welche Funktion besaß das Lager im Konzept der Faschisten? Wer
profitierte von dieser Einrichtung?

Waren die „roten Kapos“ im Lager Ausdruck einer Häftlingshierarchie
oder waren sie die Grundlage für antifaschistischen Widerstand im
Lager? Wie konnte Widerstand unter solchen Bedingungen überhaupt
aussehen?

War die Befreiung des KZ Buchenwald das Werk der amerikanischen
Truppen oder eine Selbstbefreiung der Häftlinge? Welche Konsequenzen
hat diese Debatte im Umgang mit der Lagergeschichte?

Diese Streitpunkte beziehen sich zwar auf die Geschichte des KZ
Buchenwalds, sie haben aber grundsätzliche Bedeutung für die
Erinnerungspolitik in Deutschland. Dies haben die öffentlichen
Debatten in den vergangenen Jahren anschaulich unter Beweis gestellt.

Der Referent ist Historiker und seit über dreißig Jahren mit dem
Thema Buchenwald und den überlebenden Häftlingen des Lagers
verbunden. Heute ist er verantwortlicher Herausgeber der Zeitschrift
„Glocke vom Ettersberg“, das Periodikum der Lagergemeinschaft
Buchenwald-Dora/ Freundeskreis e.V.

Kritik der Kulturindustrie

Die Gruppe [association critique] organisiert am 05. Mai eine eintägige Veranstaltungsreihe zur Kritik der Kulturindustrie.
plakat

Alle Infos dazu findet ihr hier

Klassen – Kämpfe – Kommunismus

Die Gruppe Kritik und Intervention präsentiert:

Klassen – Kämpfe – Kommunismus
Podiumsdiskussion mit Peter Decker und Michael Heinrich

25.04.2012
19:00 Uhr
Uni Bielefeld, H12

Seit 2007 steckt der Kapitalismus in einer Verwertungskrise, Banken und Staaten drohen Bankrott zu gehen, ganze Wirtschaftsektoren knicken ein. Seit Beginn bemühen sich die Regierungen der Industrienationen mit Sparprogrammen, Rettungsschirmen und Finanzmarktregulationen der Krise etwas entgegenzusetzen, um sie möglichst unbeschadet zu überstehen bzw. das Beste aus ihr zu machen. Alle diese Versuche werden, egal ob in den USA, Griechenland, Deutschland oder sonstwo, auf dem Rücken der Lohnabhängigen durchgeführt – weswegen ebenfalls seit Beginn der Krise in verschiedenen Formulierungen zu hören ist: „Wir zahlen nicht für eure Krise!“ Angesichts dieses zu Krisenzeiten virulenten und zunächst nur vage formulierten Bewusstseins davon, dass die eigene Existenz im Kapitalismus permanent bedroht ist, sowie angesichts immer wieder stattfindender Versuche ihm kollektiv etwas entgegenzustellen, haben wir Peter Decker und Michael Heinrich zu einem Podium zum Klassenbegriff eingeladen: macht der Klassenbegriff überhaupt noch Sinn? Haben wir es bei den derzeitigen Protesten mit Klassenbewusstsein zu tun? Ist der Kapitalismus als ein System anonymer Herrschaft, das sich „hinter dem Rücken“ der in ihm Gefangenen vollzieht, richtig beschrieben? Oder birgt diese Perspektive die Gefahr, einer falschen Analyse der gesellschaftlichen Akteure Vorschub zu leisten, da der Kapitalismus als System der Ausbeutung von Arbeitskraft notwendig zwei sich feindlich gegenüberstehende Klassen zur Voraussetzung hat – und insofern die Herrschaft der in ihm mächtigen Akteure ist? Und was folgt aus alledem für eine adäquate Kritik des Kapitalismus?

Veranstaltung: Die Shoah und die Linke

Zweite Veranstaltung im Rahmen der Gedenkstättenfahrt:

Diskussion:

Die Shoah und die Linke – Wir sind die Guten?
Diskussionsveranstaltung mit der ag blinde flecken aus Hannover
Montag, 23.April 2012, 20 Uhr
Universität Bielefeld, Raum: C0-269

Der gesellschaftliche Umgang mit dem Nationalsozialismus hat sich in den letzten 20 Jahren stark gewandelt. Die verschiedenen Facetten der Jahrzehnte des Schweigens und Verdrängens bis hin zur offensiven Thematisierung hätten bis heute Interventionen einer kritischen Linken erfordert. Doch linke Bewegungen konnten sich in allen Nachkriegsjahrzehnten nicht durch einen ruhmreichen Umgang mit dem Nationalsozialismus hervorheben. Stattdessen wurde das Bestehen auf eine Auseinandersetzung mit der Besonderheit des Nationalsozialismus und der Shoah häufig als eine Anklage verstanden. Wir wollen auf der Veranstaltung das Verhältnis der Linken zur Shoah skizzieren und diskutieren. Ist es überhaupt notwendig, sich explizit mit Nationalsozialismus und Holocaust zu beschäftigen? Wofür und wie? Ist es für aktuelle Gesellschaftskritik und eine Begründung von radikaler Opposition notwendig oder überhaupt möglich, „aus der Vergangenheit zu lernen“? Und wie spiegeln sich Positionen zum NS in antifaschistischer und linker Politik heute wider?

Die Veranstalter_innen behalten sich vor von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen
Organisationen angehören oder der extrem rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch
antisemitische, sexistische, rassistische oder nationalistische Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu den
Veranstaltungen zu verwehren.

Veranstaltung: Zwischen Gesellschaftskritik und Staatsraison

Erste Veranstaltung im Rahmen der Gedenkstättenfahrt:

Vortrag:

Zwischen Gesellschaftskritik und Staatsraison
Entwicklungslinien der Erinnerungskultur in NRW und in der Bundesrepublik
Referent: Michael Sturm, Historiker
Mittwoch, 18. April 2012, 19 Uhr
Universität Bielefeld, Raum: T2-227

In Nordrhein-Westfalen existieren mehr als 20 Gedenkstätten, Lern- und Erinnerungsorte, die an historisch „authentischen“ Schauplätzen eine wissenschaftliche, pädagogische oder emotionale Beschäftigung mit unterschiedlichen Aspekten des Nationalsozialismus ermöglichen sollen. Diese erinnerungskulturelle Landschaft hat sich während der vergangenen Jahrzehnte in teilweise bis heute andauernden Auseinandersetzungen entwickelt. Die Einrichtung von Gedenkstätten ging in zahlreichen Fällen auf das beharrliche Engagement von NS-Opferverbänden und gesellschaftskritischen Geschichtsinitiativen zurück, die sich dem vielfach herbeigesehnten Schlussstrich unter die Vergangenheit widersetzten. Seit den 1990er Jahren sind jedoch in der Erinnerungskultur der Bundesrepublik deutliche Umbrüche zu erkennen. Zum einen zeichnen sich Konturen eines hegemonialen Geschichtsbildes ab, das die Zeit des Nationalsozialismus nicht mehr ausklammert, sondern als erfolgreich „bewältigt“ zu einem zentralen Bestandteil des Selbstverständnisses der Berliner Republik erhebt. Zum anderen haben neue deutsche Opferdiskurse um Bombenkrieg, Flucht und Vertreibung an Bedeutung gewonnen. Der Vortrag skizziert anhand der konfliktreichen Entstehungsgeschichte der NS-Gedenkstätten in Nordrhein-Westfalen die grundlegenden Entwicklungslinien der Erinnerungskultur in der Bundesrepublik seit den frühen 1950er Jahren. Daran anknüpfend soll die gegenwärtige und künftige Bedeutung von Erinnerung im Spannungsfeld zwischen den oftmals gesellschaftskritischen Ansprüchen und offiziellen geschichtspolitischen Sinngebungsmustern diskutiert werden.

Die Veranstalter_innen behalten sich vor von ihrem Hausrecht
Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen
Organisationen angehören oder der extrem rechten Szene
zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch
antisemitische, sexistische, rassistische oder nationalistische
Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu den
Veranstaltungen zu verwehren.