Lasst euch nicht blöd von Burschenschaftlern anquatschen!

Lasst euch nicht blöd von Burschenschaftlern anquatschen!

Du bist neu in der Stadt? Suchst noch ein günstiges Zimmer? Und kennst noch niemanden hier? So oder so ähnlich werben Studentenverbindungen gern um Erstsemester -auch hier in Bielefeld. Auf den ersten Blick wirkt das Verbindungswesen wenig durchschaubar und eher wie etwas verstaubte Traditionsverbände, die gerne singen und saufen und dabei bunte Mützen tragen. Auch wenn sich das Studentenverbindungswesen in viele spezifische Typen aufgliedert – Burschenschaften, Sänger- , Turner- sowie Landsmannschaften und Corps – und sie stets bemüht sind sich gegenseitig abzugrenzen, so sind die Gemeinsamkeiten dennoch nicht zu übersehen und nicht so harmlos vielleicht zunächst angenommen.

Studentenverbindungen gibt es seit dem Beginn des 19 Jh,einer Zeit als die Universitäten nur Männern offenstand. Seitdem hat sich an ihren Traditionen wenig geändert und ihr reaktionär-patriachales Weltbild ist geprägt durch die Eckpfeiler: Antisemitismus und Faschismus (Politik der „Judenreinheit“) / Rassismus / Frauenfeindlichkeit / Homophobie / Männlichkeitsrituale / ArbeiterInnen- und KommunisteInnenhass / Militarismus /

Ein Männerbund fürs Leben

Das Korporationsstudententum ist strikt autoritär aufgebaut und im hierachisch sortierten Kollektiv erziehen die Korporierten den Neugeworbenen (den Fuchs) zum stets untergebenden Charakter der die autoritäre Maxime von „Befehl und Gehorsam“ verinnerlicht hat. Praktisch werden Unterordnung,
Machtausübung, Gehorsam gegenüber sinnentleerten Regeln und Disziplin ohne Ziel in Ritualen wie dem Zwangsbierkonsum, so genannten „Kneipen“ oder „Kommersen“, geübt. Nach außen als gemütliche Bierrunden getarnt, diktiert ein enges Regelwerk, der so genannte Comment (französisch „wie“) wer sich wie zu verhalten hat. Je höher einer in der Hierarchie steht, desto willkürlicher darf er über die unter ihm Stehenden bestimmen. Jedes Vergehen wird mit Erniedrigungen bestraft, z.B. der Trinkpflicht über die eigenen Grenzen hinaus oder dem Verbot, auf die Toilette zu gehen.

„Jedes ältere Semester hat das Recht, jedes jüngere spinnen [= zur Strafe trinken lassen]; das gleiche Recht steht jedem Burschen gegenüber den Füchsen zu […] Der Leibbursch kann seine Leibfüchse auch ohne Grund spinnen lassen […] nach dem Grund des Spinnens kann erst nach dem Trinken gefragt werden“, ist beispielsweise im Biercomment der Landsmannschaft Hercyna Jenensiset Hallensis zu lesen.

Studentenverbindungen propagieren einen völkischen Nationalismus, der auf der Blut-und- Boden-Ideologie fusst und sie unterstreichen durch Fechten, Uniformtragen und den hierarchisch-autoritären Aufbau ihre Bewunderung für Militär und Militarismus. Daneben fordern die meisten Korporationen ein Großdeutsches Reich in den Grenzen von 1939. So zum Beispiel geschehen auf dem Burschentag der „Deutschen Burschenschaft“ (dem größten Dachverband) 1992 in Eisenach. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass österreichische Verbindungen dem DB angeschloßen sind. Geistige Verwandtschaften zum Rechtsextremismus sind augenfällig. Folgerichtig gibt es einige Querverbindungen ins neonazistische Lager. Besonders in der sog. Neuen Rechten, die eine Intellektualisierung der extremen Rechten anstrebt, engagieren sich viele Korporierte. Zur Verbreitung ihrer politischen Ansichten organisieren Verbindungen Veranstaltungen und Vorträge. So lud z. B. die Bielefelder Burschenschaft „Normannia Nibelungen“ 1999 den mehrfach wegen Holocaustleugnung verurteilten Rechtsanwalt Horst Mahler als Redner ein.

Studentenverbindungen sehen sich gern als Elite und mitmachen darf bei ihnen schon mal nicht jeder. Frauen bleiben aus korporierten Zirkeln weitgehend ausgeschlossen, sowie sie auch aus allen entscheidungsrelevanten Teilen der Gesellschaft herausgehalten werden sollen. Wer den Kriegsdienst verweigert hat, bleibt ausgeschlossen, sowie auch behinderte und nicht-weiße Männer.

“Bist Du hässlich, fett, krank oder fremd im Lande, bist Du von Sorgenfalten, Weltschmerz oder linksliberaler Gesinnung gepeinigt, trägst Du alternative oder Schickimicki-Kleidung – oder gar einen Ring im Ohr, studierst Du Publizistik, Pädagogik oder Theologie oder gar nicht, hast Du den Wehrdienst verweigert oder eine Freundin mit, die weder schön noch still ist, dann bleib lieber zu Hause. Du würdest
sowieso nicht eingelassen werden.”

Auszug aus der Einladung zu einer Party der Burschenschaft Germania, zitiert nach Beyer, Anke u.a.:“…und er muss deutsch sein…“ Geschichte und Gegenwart der studentischen Verbindungen in Hamburg, Hamburg 2000.

Zum aktiven Anwerben von ‚Nachwuchs’, dem so genannten Keilen, postieren sich Korporationen gern zu Semesterbeginn gezielt an bestimmten Uni-Orten, um auf Erstsemester zu treffen. Auch Annoncen für zu vermietende, meist billige Zimmer in Verbindungshäusern, Bier-Abende mit älteren Mitglieder (die sogenannten ‚Alten Herren’) und Partys zu Semesterbeginn sind beliebte Möglichkeiten, neue Mitglieder zu werben. Die Mitgliederwerbung ist gut vorbereitet und professionelle Marketingkonzepte werden in eigens abgehaltenen Keilseminaren einstudiert. So riet das Amt für Nachwuchsarbeit eines großen Dachverbandes für die Mitgliederwerbung u.a. folgendes:

„Weiblichen Einfluss einbeziehen; Freundin heranziehen; Freundin gegebenenfalls eliminieren; über Verlust der Freundin trösten durch Aktivwerden (bundesbrüderliche Gemeinschaft hält besser).“

Wenn die Studentenverbindung ein neues Mitglied geworben hat, wird meist versucht, den Angeworbenen aus seinem bisherigen sozialen Umfeld total zu isolieren, damit dann dem Bund fürs Leben auch nichts mehr im Wege steht.
Also lass dich nicht blöd anquatschen!

Für mehr Infos und Kritik an Studentenverbindungen und Korporationen kommt doch mal zur Antifa-AG! auf der AStA – Galerie.