Antisemiten raus aus unserer Uni!!! – Sofortige Entlassung des Dr. Rogalla von Bieberstein!

November 2003

Antisemiten raus aus unserer Uni!!!
Sofortige Entlassung des Dr. Rogalla von Bieberstein!

In den letzten Tagen haben die antisemitischen Äußerungen des CDU-Bundestagsabgeordneten Hohmann für scharfe innenpolitische Auseinandersetzungen gesorgt. Aufmerksame BeobachterInnen fragten sich derweil, woher ein bis dahin namenloser Hinterbänkler den Stoff für einen derartigen Skandal nimmt. Sie machten sich auf die Suche nach den Stichwortgebern für Hohmanns wirre Thesen und wurden an der Universität Bielefeld fündig: Doktor Johannes Rogalla von Bieberstein, Fachreferent der Universitätsbibliothek u.a. für den Fachbereich Soziologie, ist Autor des Buches „Jüdischer Bolschewismus – Mythos und Realität“, erschienen im rechtsextremistischen „Verlag Edition Antaios“. Genau auf dieses Buch bezieht sich Hohmann in seiner Rede, die er bezeichnenderweise am deutschen Nationalfeiertag gehalten hat.

Bieberstein vertritt dort die These, dass in der nationalsozialistischen Propagandalüge vom „jüdischen Bolschewismus“ ein wahrer Kern zu finden sei. Und so macht sich der Autor auf die Suche nach diesem Kern. So erfindet er jede Menge Bande, die zwischen Juden und dem Bolschewismus geherrscht hätten.

Der eliminatorische Antisemitismus und der Holocaust, führt Bieberstein aus, seien nur vor dem Hintergrund dieser „jüdische(n) Verstrickung in den Kommunismus und Bolschewismus“ (S. 285) möglich gewesen. Damit rechnet Bieberstein den „jüdischen Bolschewisten“ eine kausale Mitverantwortung für das Entstehen eines radikalisierten Antisemitismus nach 1918 zu, in dem er die Reaktion „der christlich-bürgerlichen Welt“ auf eine „tatsächliche Herausforderung“ erblickt. Bieberstein suggeriert im Sinne Ernst Noltes, der im übrigen das Vorwort zu „Jüdischer Bolschewismus“ verfasst hat, eine mittelbare Verantwortung jüdischer Kommunisten für die Folgen des antisemitischen Wahns der Nationalsozialisten.

Auf der letzten Seite erfährt die geneigte LeserInnenschaft dann noch, worauf Bieberstein eigentlich hinaus will: Die Verbrechen der Kommunisten dürften heute den Juden nicht mehr als „gewissermaßen erbliche Kollektivschuld“ (S. 285) angelastet werden. Umgekehrt gelte dann aber auch, und nun allerspätestens wird alles klar, dass „der deutschen Jugend nicht über Generationen ‘die Last von Auschwitz’ aufzubürden“ (S. 285) sei… Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Der Bielefelder Soziologe liefert hier eine pseudo-wissenschaftliche Grundlage für nahezu alle revanchistischen Elemente des heutigen Neonazismus. Er belässt es nicht bei einer nachträglichen Rechtfertigung für die nationalsozialistische Vernichtungspolitik und einer unerträglichen Relativierung der Nazi-Verbrechen, sondern bemüht sich nach allen Kräften seinen Beitrag zur „Schlußstrich-Debatte“ zu leisten.

In Zeiten eines Martin Walser, eines Jürgen W. Möllemann, einer Rechtfertigung deutscher Kriegsbeteiligung mit unsäglichen Auschwitz-Vergleichen, und nicht zuletzt eines wachsenden militanten Neonazismus stellt Johannes Rogalla von Bieberstein einen geistigen Brandstifter dar, wie er im wahrsten Sinne des Wortes im Buche steht. Eine Internet-Suche nach Biebersteins Buch „Jüdischer Bolschewismus“ führt zuallererst zu begeisterten Rezensionen und Vertriebsangeboten in der neonazistischen Presse. „Signal“ (eine Publikation aus dem Hause des Kölner Neonazi Manfred Rouhs), „DSZ-Verlag“ (aus dem Hause der Münchner Einmannpartei DVU des Neonazi Gerhard Frey) und „Junge Freiheit“ (führendes Ideologie-Blatt der neonazistischen „Neuen Rechten“) begleiteten die Bucherscheinung wohlwollend. Bei einer weitergehenden Recherche finden sich dann folgerichtig entsprechende Verlautbarungen unter „www.schoenhuber-franz.de“ und gar in dem der militanten Neonazi-Szene zuzuordnenden „Störtebeker-Netz“!

Unter diesen Umständen halten wir die Weiterbeschäftigung des Doktor von Bieberstein für einen Skandal. Wir fordern seine sofortige Entlassung!!!

Außerdem fordern wir das Rektorat der Universität Bielefeld und das Wissenschaftsministerium NRW zu eindeutigen Stellungnahmen auf. Darüberhinaus halten wir eine öffentliche Diskussion über die vertretenen Thesen für unabdingbar und werden uns im Rahmen unserer Kräfte daran beteiligen. Antisemitismus darf weder in der Öffentlichkeit hoffähig werden noch in einem scheinbar ruhigen (universitären) Hinterland gedeihen! Der deutsche Nationalsozialismus darf nicht relativiert werden, sondern muss als das bezeichnet werden, was er ist: Das größte Verbrechen in der Menschheitsgeschichte!
Neonazismus und Faschismus sind keine Meinungen, sondern Verbrechen!

Links zum Thema:
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID2576490_REF1_NAVSPM1,00.html
(Eine Einschätzung des Instituts für Antisemitismusforschung an der TU Berlin)
http://www.sehepunkte.historicum.net/2003/06/3289.html
(Eine Rezension)