AfD & FPÖ Antisemitismus, völkischer Nationalismus und Geschlechterbilder

Buchvorstellung mit Stephan Grigat

12.07.2017 | 18 Uhr, Uni Bielefeld, Hörsaal 2

Der Band „AfD & FPÖ“ analysiert die Politik und Ideologie der beiden Parteien vor dem Hintergrund der Asyl-, Flüchtlings- und Islamdebatte in den Nachfolgestaaten des Nationalsozialismus. Die vergangenheitspolitischen Diskussionen über den Umgang mit dem NS in den beiden Parteien werden ebenso beleuchtet wie die Positionierungen zum Antisemitismus, zu Israel und zur muslimischen Einwanderung. Die Beiträge thematisieren die völkischen, aggressiv-nationalistischen Positionierungen von AfD und FPÖ, die von beiden Parteien proklamierten Geschlechterbilder und Gesellschaftsvorstellungen und die Rolle von studentischen Burschenschaften vor dem Hintergrund des Erstarkens islamistischer Bewegungen.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien. 2016/17 war er Gastprofessor am Moses Mendelssohn Zentrum der Universität Potsdam, 2015/16 Gastprofessor für kritische Gesellschaftstheorie an der Universität Gießen. Er ist der Herausgeber von „AfD & FPÖ. Antisemitismus, völkischer Nationalismus und Geschlechterbilder“(Nomos-Verlag 2017, 205 Seiten, 28,- Euro).

Die Neue Rechte und der Kampf um Ideen

mit Samuel Salzborn

16.05.2017 | 18 Uhr, Uni Bielefeld Hörsaal 2

Die Neue Rechte ist auf dem Vormarsch. In Deutschland versuchen sie über Organisationen wie dem Institut für Staatspolitik und Zeitschriften wie der Blauen Narzisse, aber auch über AfD und Pegida ihre rechtsextremen Positionen zu lancieren und gesellschaftliche Debatten mitzubestimmen – mit zunehmendem Erfolg.
Aber wer und was genau ist eigentlich die Neue Rechte? Was ist neu an ihr, was zeichnet ihre Ideologie aus und welche Strategien nutzt sie im Kampf um Deutungshoheit und politische wie gesellschaftliche Macht?
Um diese Fragen zu beantworten, führt der Vortrag in die Debatte um den Begriff Neue Rechte ein. Er zeichnet die Entwicklungsgeschichte der Neuen Rechten in Deutschland nach und arbeitet ihre zentralen Positionen, Ziele und ideengeschichtlichen Grundlagen heraus. Abschließend wirft er einen Ausblick auf die weitere Entwicklung der Neuen Rechten und diskutiert die Frage, ob es ihr tatsächlich gelingen kann, einen stärkeren Einfluss auf gesellschaftliche Diskurse zu nehmen.

Prof. Dr. Samuel Salzborn ist Professor für Grundlagen der Sozialwissenschaften am Institut für Politikwissenschaft der Uni Göttingen. Seine Forschungsschwerpunkte sind Politische Theorie und Gesellschaftstheorie sowie Politische Soziologie und Demokratieforschung.
Aktuelle Publikationen zum Thema sind unter anderem: Angriff der Antidemokraten. Im Erscheinen; Kampf der Ideen. Die Geschichte politischer Theorien im Kontext. 2. Aufl., Baden-Baden 2017; Rechtsextremismus. Erscheinungsformen und Erklärungsansätze. 2. Aufl., Baden-Baden 2015.

Die postmoderne Querfront – Zur Kritik des Linkspopulismus am Beispiel seiner VordenkerInnen Chantal Mouffe und Ernesto Laclau

mit Ingo Elbe

04.05.2017 | 18 Uhr, Uni Bielefeld Raum T2-227

Chantal Mouffes Begriff des Politischen und ihre zusammen mit Ernesto Laclau erarbeitete ‚postmarxistische‘ Theorie des Populismus sind in aller Munde. Linkspopulistische Bewegungen wie Syriza oder Podemos betrachten Laclau und Mouffe gar als VordenkerInnen. Der Vortrag stellt ihren in weiten Teilen der Linken akzeptierten Erklärungsansatz für den Aufstieg des Rechtspopulismus und ihre linkspopulistische Gegenstrategie dar. Es wird gezeigt, dass sowohl die politikwissenschaftliche Diagnose als auch die Strategievorschläge von einer irrationalistischen Gesellschaftstheorie abhängig sind, die Laclau/Mouffe weitgehend den Abhandlungen des faschistischen Rechtsphilosophen Carl Schmitt entnehmen. Unter anderem mit Rekurs auf Laclau/Mouffe bildet sich derzeit weltweit auf akademischer und politischer Ebene eine ideologische Querfront, eine „productive convergence of the far Right and the far Left“, wie es eine amerikanische Philosophin mit begeisterter Zustimmung ausdrückt. Akteure, Elemente und Argumentationsstrategien dieser Querfront werden im Vortrag kritisch diskutiert.

Dr. Ingo Elbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Privatdozent an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. Letzte Publikationen: Paradigmen anonymer Herrschaft. Politische Philosophie von Hobbes bis Arendt. Würzburg 2015; „Trabalho alienado e abstrato. Níveis de significação e déficits de fundamentação do conceito de trabalho alienado nos Manuscritos econômicos-filosóficos de Marx”. Introdução a Karl Marx, Manuscritos econômico-filosóficos 1844. Sao Paulo 2016; „Politische Macht, Faschismus und Ideologie. Ernesto Laclaus Auseinandersetzung mit Nicos Poulantzas“. In: A. Hetzel (Hg.): Radikale Demokratie. Zum Staatsverständnis von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau. Baden-Baden 2017.

Harry Potter und die widersprüchliche Ideologie der Kulturindustrie

mit Melanie Babenhauserheide

06.02.2017 | 20 Uhr, Extra Blues Bar (Siekerstr. 20, 33602 Bielefeld)

„harry potter saved me from a dark and lonely road with depression rideing on my back“ (Mid Rift).
„For almost all of my life, I‘ve never felt like I belonged. I‘ve gone through life feeling like I was too strange and awkward for anyone to like me. I still feel like that. But whenever I pick up the books, watch the movies, watch the musicals, read the fanfiction, or listen to the songs, I‘m home. So thank you J.K. Rowling for giving me true friends, adventures, advice, and most of all, a home.“ (Raven w). „Harry Potter is my childhood. Whenever I was upset or sad I‘d always read one of the books“ (Abby Grant.) „No other series can compare to Harry Potter and the amount of people that the series has touched and inspired. Thank you JK Rowling for making our lives better and more beautiful with Harry Potter!“ (Courtney Hull) „I grew up watching and reading about Harry Potter, whenever I was alone he was always there. […] They make me feel like I can escape to a world where I don‘t have to be afraid to be me“ (XxdreamchaserxX). „Harry Potter, the series that […] made social outcast like me find a place“ (Alisa Hanschu). „That’s the beauty of Harry potter, you are not alone in how you feel, others feel the same kind of magic, have been on the same adventures, it’s much more than a story, a book to us. It’s a part of our past/present and who we are“ (The Sinnoh Firefly). „Harry Potter lives on in all of us!“ (Purple Tube)
(Kommentare auf youtube zu Oliver Boyd and the Remembralls: End of an Era)

Kulturindustrie, die warenförmige Organisation von Freizeit und Erfahrung, dient der Funktion, die Wünsche und Sehnsüchte der Einzelnen auf der einen Seite und auf der anderen Seite die verfestigten, ihnen entzogenen gesellschaftlichen Verhältnisse miteinander zu verkitten, indem sie uns Bestätigungen von Herrschaftsverhältnissen anbietet, die diesen Wünschen entgegenkommen. Z.B. dadurch, dass sie uns Identifikationsmöglichkeiten bieten, uns aufwerten, uns das Gefühl geben, dazugehören, in dieser Welt zuhause zu sein, in ihr einen Sinn zu finden, eine „zweite Welt“ (Pfaller) zu haben, die es uns erleichtert, in der ersten zu leben. Wie schon Adorno in der Analyse der Reaktionen des Publikums auf das mediale Spektakel um eine königliche Hochzeit gezeigt hat, lässt sich allerdings feststellen, dass dieses Verkitten nicht glatt geht. Darin sieht der Kritische Theoretiker eine Chance auf Mündigkeit, auf Emanzipation. Dieser Widersprüchlichkeit der Kulturindustrie, die dazu neigt, das Bewusstsein auf das Bestehende zu vereidigen, und die zugleich ihr „eigenes Gegengift“ enthält, wird in diesem Vortrag nachgegangen anhand der Ideologie der Harry Potter-Romane. Rowlings Reihe ist einer der erfolgreichsten Senkrechtstarter der Kulturindustrie in den letzten 20 Jahren und hat ideologische Deutungsangebote für eine ganze Generation bzw. weit darüber hinaus geliefert.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Roten Montags statt.

Kritische Theorie und Emanzipation – Ein einführendes Lektüreseminar

Tagesseminar mit Dirk Lehmann, Marc Jacobsen & Florian Röhrbein

28.01.2017 | 11.00-18:00Uhr | Universität Bielefeld, Raum X-E0-204

Wir bitten aus organisatorischen Gründen um Anmeldung per kurzer Mail an antifaagbi@gmail.com, wir stellen dann gern Texte und Lektüreleitfragen zur Verfügung. Die Teilnahme ist kostenlos.

„Mitmachen wollte ich nie…“ mit diesem Ausspruch brachte Leo Löwenthal treffend das fundamentale Misstrauen zum Ausdruck, mit dem kritische Theorie der gegenwärtigen Gesellschaft begegnet. Ist dies doch eine Gesellschaft, die den Menschen einzig und allein als disponible Größe zur Auspressung von Mehrwert kennt und die ihr Anderes, Natur, rein als Gegenstand einer krämerseligen Vorstellung von Nützlichkeit betrachtet. Diese Verhältnisse, in denen Mensch und Natur gleichermaßen erniedrigte und geknechtete, verächtliche und verlassene Wesen sind, umzustürzen, steht im Zentrum aller Anstrengung von kritischer Theorie. Und insofern begreift sie sich auch als die theoretische Seite der Befreiung der Menschheit aus Ohnmacht und Gewalt.

Das ist allein möglich, weil kritische Theorie die Menschen als die Produzenten ihrer gesamten gesellschaftlichen Lebensformen begreift, Gesellschaft also als allein durch menschliche Tätigkeit geworden und deshalb auch als fundamental veränderbar versteht. In dieser grundsätzlichen historisch-materialistischen Weise knüpft kritische Theorie an ihre Begründer, Karl Marx und Friedrich Engels, an, geht zugleich aber über sie hinaus. Der Vorstellung etwa von der grundstürzenden Macht des Proletariats, wesentliche Hoffnung noch bei Marx und Engels, begegnet sie äußerst reserviert. Der Stalinsche Terror zum einen, die Ermordung der Juden in Europa zum anderen bilden den Hintergrund dieser skeptischen Haltung. Sie markiert aber keinen Bruch, sondern bezeugt nur das Selbstreflexivwerden kritischer Theorie. In anderen Worten ist die bürgerliche Gesellschaft ohne Marx nicht zu begreifen; mit Marx allein aber ist sie es ebenso wenig.

Diese Wendung fand ihre Zuspitzung in der von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno gemeinsam verfassten ‚Dialektik der Aufklärung’, in der nun nicht mehr die kapitalistische Produktionsweise allein Gegenstand der Kritik ist, sondern die abendländische Kultur insgesamt. Damit aber – und das macht die Aktualität dieses Denkens aus – ist die Möglichkeit eröffnet, herauszutreten aus der immer noch selbstverschuldeten Unmündigkeit in ein ‚Reich der Freiheit’, in dem, so Adorno, die Gewalt gegen Mensch und Natur gleichermaßen endlich aufhören.

Im Rahmen des Tagesseminars werden wir ausgehend von „ein paar Thesen“ Adornos „über das Unterscheidende der kritischen Theorie nicht nur von der traditionellen sondern auch von der Marxischen“ eine erste Spezifikation der kritischen Theorie vornehmen. Im Anschluss möchten wir in Form von Textarbeit weiter über zentrale Aspekte der kritischen Theorie diskutieren.
Sowohl Auszüge aus dem ‚Manifest der kommunistischen Partei’ von Marx und Engels als auch Abschnitte aus ‚Geschichte und Klassenbewußtsein’ von Georg Lukács werden dabei zum Thema. Ferner werden die Aufsätze ‚Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft’ und ‚Zum Verhältnis von Soziologie und Psychologie’ von Adorno gemeinsam besprochen.

Zu den Teamern:
Marc Jacobsen hat Soziologie an der Universität Bielefeld studiert und promoviert zurzeit zum Thema „Antisemitismus in der Weltgesellschaft“ an der Universität Bonn.
Dirk Lehmann hat in Duisburg, Berlin und Bielefeld Soziologie studiert und arbeitet gegenwärtig an einer Monographie über die Entstehung und Entwicklung der kritischen Theorie. Er ist Lehrbeauftragter der Fakultät für Erziehungswissenschaft an der Universität Bielefeld und veröffentlicht unregelmäßig in „Kritiknetz – Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft“.
Florian Röhrbein studiert Soziologie an der Universität Bielefeld und arbeitet als wissenschaftliche Hilfskraft im Bereich qualitativer Sozialforschung. Derzeit beschäftigt er sich mit Ideologie- und Subjektkritik aus der Perspektive einer psychoanalytischen Sozialpsychologie und gibt ab und an Einführungsseminare zu einer materialistischen Kritik des Antisemitismus.
2014 haben die Teamer den Band „Kritische Theorie und Emanzipation“ im Verlag Königshausen & Neumann herausgegeben.